Ratgeber · Studien

KI im Mittelstand: Was die Zahlen sagen

Wo kleine und mittlere Betriebe bei künstlicher Intelligenz stehen

Amtliche Statistik und Förderbank zeichnen ein deutliches Bild, denn künstliche Intelligenz kommt im Mittelstand an, aber sie verteilt sich ungleich. Dieser Artikel ordnet die Zahlen ein und zeigt, welche Hemmnisse Betriebe nennen und wie sie sich angehen lassen.

Anteil der Unternehmen, die KI nutzen
  • 10 bis 49 Beschäftigte23 %
  • 50 bis 249 Beschäftigte36 %
  • ab 250 Beschäftigte57 %
Quelle: Destatis, IKT-Erhebung, Berichtsjahr 2025 1

Der Stand in Zahlen.

Das Statistische Bundesamt fragt jedes Jahr, welche Technologien Unternehmen einsetzen. Im Jahr 2024 nutzten 20 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten künstliche Intelligenz, 2023 waren es noch 12 %2. Für das Berichtsjahr 2025 weist die Erhebung 26 % aller Unternehmen aus1.

Die KfW kommt mit eigener Forschung zu einem ähnlichen Ergebnis: Im Zeitraum 2022 bis 2024 nutzten 20 % der Mittelständler KI, das sind knapp 780.000 Unternehmen4. Damit setzen rund fünfmal so viele Betriebe KI ein wie im Zeitraum 2016 bis 20184.

Die Technik hat also den Weg aus den Konzernen in die Breite gefunden. Wer heute über den Einstieg nachdenkt, steht deshalb nicht mehr am Anfang einer Entwicklung, sondern mitten in ihr.

Die Kluft nach Betriebsgröße.

Hinter dem Durchschnitt steht ein deutliches Gefälle. Von den Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten nutzen 23 % künstliche Intelligenz, bei 50 bis 249 Beschäftigten sind es 36 % und ab 250 Beschäftigten 57 %1.

Für eine Lohnfertigung ist das mehr als eine Statistik, weil ihre Auftraggeber und viele Wettbewerber größer sind als sie selbst. Wenn große Betriebe Anfragen schneller beantworten und Abläufe automatisieren, steigen die Erwartungen an Reaktionszeit und Lieferfähigkeit für alle. So wird die Kluft zum Wettbewerbsrisiko für die Kleinen, auch wenn sie handwerklich genauso gut arbeiten.

Wofür Unternehmen KI einsetzen, zeigt dieselbe Erhebung. Unter den Nutzern werten 52 % damit Texte aus (Text Mining), 27 % automatisieren Arbeitsabläufe oder Entscheidungsfindung, und 17 % nutzen Bilderkennung1.

Strategie macht den Unterschied.

Die KfW hat untersucht, welche Mittelständler KI einsetzen, und findet einen klaren Zusammenhang mit der Digitalisierung insgesamt. Betriebe mit einer Digitalisierungsstrategie nutzen KI zu 35 %, digital aktive Betriebe zu 26 % und Betriebe ohne Digitalisierungsaktivitäten in den letzten drei Jahren zu 19 %4.

Die Studie erklärt das mit dem digitalen Reifegrad, denn wer KI erfolgreich nutzen will, braucht Daten, Rechenleistung und Knowhow4. Diese Grundlagen entstehen nicht mit dem ersten Werkzeug, sondern sie wachsen mit jedem Ablauf, den ein Betrieb digital abbildet.

Was Betriebe bremst und was hilft.

Die amtliche Statistik fragt auch Unternehmen, die KI erwogen, aber nicht eingeführt haben, nach ihren Gründen. An der Spitze steht fehlendes Wissen mit 72 %, gefolgt von Unklarheit über rechtliche Folgen mit 62 % und Bedenken beim Datenschutz mit 60 %3. Danach nennen 45 % die fehlende Vereinbarkeit mit vorhandenen Systemen, 44 % die Verfügbarkeit oder Qualität der Daten und 32 % zu hohe Kosten, während nur 18 % KI für nicht sinnvoll halten3.

Gründe gegen KI, Anteil der Unternehmen, die KI erwogen, aber nicht nutzen
  • Fehlendes Wissen72 %
  • Unklarheit über rechtliche Folgen62 %
  • Bedenken beim Datenschutz60 %
  • Passt nicht zu vorhandenen Systemen45 %
  • Verfügbarkeit oder Qualität der Daten44 %
  • Zu hohe Kosten32 %
  • Nicht sinnvoll18 %
Quelle: Destatis, IKT-Erhebung 2025 3

Die KfW nennt für den Mittelstand ähnliche Hürden: fehlende Fachkräfte und Kompetenzen, begrenzte Zeit, unzureichende Daten sowie Bedenken zu Sicherheit, Reife und Zuverlässigkeit4. Auffällig ist, dass nur wenige Betriebe den Nutzen grundsätzlich bezweifeln, denn die meisten Gründe lassen sich mit Wissen und Vorbereitung angehen.

Wissen

Fehlendes Wissen ist die größte Hürde, und sie lässt sich am leichtesten senken. Beginnen Sie mit einer Aufgabe, die Ihr Team gut kennt, dann sehen alle am eigenen Beispiel, was die Technik kann und wo ihre Grenzen liegen.

Recht und Datenschutz

Fragen Sie Anbieter, wo Ihre Daten verarbeitet werden, wer darauf zugreift und ob sie zum Training fremder Modelle dienen. Ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung und Rechenzentren in der EU schaffen eine Grundlage, die Sie auch vor Ihren Kunden vertreten können.

Daten und Systeme

Viele Betriebe besitzen mehr verwertbare Daten, als sie denken, weil Zeichnungen, 3D-Modelle und frühere Angebote längst digital vorliegen. Achten Sie darauf, dass neue Werkzeuge diese Formate direkt lesen, damit keine Insellösung entsteht.

Kosten

Die Kosten bleiben überschaubar, wenn Sie mit einem klar umrissenen Einsatz beginnen und Software nutzen, statt eigene Systeme aufzubauen. Messen Sie den Nutzen an Ihrer eigenen Arbeitszeit, dann sehen Sie früh, ob sich der nächste Schritt lohnt.

Das Potenzial für die Wirtschaft.

Die KfW verweist auf Berechnungen, nach denen das Bruttoinlandsprodukt bis 2037 um rund 12,8 % höher liegen könnte, wenn sich KI weiter verbreitet4. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet für Deutschland in den kommenden 15 Jahren durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte mehr Wachstum pro Jahr4.

Den Effekt auf die Beschäftigung schätzt das IAB insgesamt als moderat ein, die Beschäftigung bleibt weitgehend stabil4. Für Betriebe geht es deshalb weniger darum, Stellen zu ersetzen, als darum, mit den vorhandenen Leuten mehr zu schaffen.

Wer jetzt anfängt, baut vor.

Die Zahlen zeigen, dass KI im Mittelstand angekommen ist und dass vor allem Betriebe mit digitaler Grundlage davon profitieren. Jeder Ablauf, den Sie heute digital abbilden, baut den Reifegrad auf, der später den Unterschied macht. Warten macht den Einstieg nicht leichter, weil Daten, Knowhow und Erfahrung mit der Technik Zeit brauchen.

Ein Beispiel aus der Lohnfertigung

Vinyos Quote setzt bei einer Aufgabe an, die in jedem Betrieb täglich anfällt: dem Lesen von Zeichnung und 3D-Modell für ein Angebot. So entsteht aus Dateien, die ohnehin vorliegen, ein erster digitaler Ablauf, den Ihr Team prüft und versteht.

So funktioniert Vinyos Quote →

Quellen zum Nachlesen.

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis): „Unternehmen mit Nutzung von Technologien der künstlichen Intelligenz nach Beschäftigtengrößenklassen“, IKT-Erhebung, Berichtsjahr 2025, Stand 24.11.2025.www.destatis.de
  2. Statistisches Bundesamt (Destatis): „Pressemitteilung Nr. 444“, 25.11.2024.www.destatis.de
  3. Statistisches Bundesamt (Destatis): „Gründe gegen die Nutzung von Technologien der künstlichen Intelligenz“, IKT-Erhebung 2025, Stand 24.11.2025.www.destatis.de
  4. KfW Research, Dr. Volker Zimmermann: „Einsatz von Künstlicher Intelligenz vor allem in Unternehmen mit hohen Innovations- und Digitalisierungsaktivitäten“, Fokus Volkswirtschaft Nr. 533, 11.02.2026.www.kfw.de

Häufige Fragen zu KI im Mittelstand.

Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich künstliche Intelligenz?

Eine feste Grenze gibt es nicht, entscheidend ist eine wiederkehrende Aufgabe, deren Daten bereits digital vorliegen. In der Lohnfertigung sind das etwa Zeichnungen, 3D-Modelle und Anfragen, die täglich eingehen.

Brauche ich eine Digitalisierungsstrategie, bevor ich KI einsetze?

Sie ist keine Voraussetzung, aber die KfW stellt fest, dass Betriebe mit Strategie KI häufiger nutzen. Eine Strategie kann klein beginnen, indem Sie festhalten, welche Abläufe Sie in welcher Reihenfolge digital abbilden wollen.

Wie gehe ich mit Bedenken beim Datenschutz um?

Klären Sie vor dem Einsatz, wo Ihre Daten verarbeitet werden, wer darauf zugreift und ob sie zum Training fremder Modelle dienen. Ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach DSGVO und eine Verarbeitung in der EU sind übliche Mindestanforderungen.